SEIDENBAUM CD

                                                                                           
Kinder mit schweren Beeinträchtigungen (er-)finden Musik

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Basale Förderstufe Seidenbaum, Trübbach: Stimmen + Klänge
Christoph Siegfried: Produktion
Andi Isler: Audiobearbeitung


Maxi CD (7 Tracks) Fr. 20.-
(pro CD gehen Fr. 5.- an die Heilpädagogische Vereinigung Sargans-Werdenberg und
Fr. 5.- in die Klassenkasse der Basalen Förderstufe für weitere ästhetische Projekte)


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seidenbaum cd

Andi Isler über das Projekt:

"Ich habe eine neue Welt kennengelernt. Während ca. einer halben Stunde war ich mit den einzelnen Kindern in einem Zimmer, und versuchte ihnen Töne zu entlocken, oder besser gesagt: wollte ich ihnen allen Raum geben und mich selber so gut wie möglich zurücknehmen.
Es waren extrem spannende Situationen. Ich hatte noch nie mit schwer beeinträchtigten Menschen zu tun gehabt, das war völlig neu für mich, und für das Kind wohl auch. Da kann eine geraume Zeit einfach nichts geschehen, oder vermeintlich nichts. Denn einige Kinder scheinen schon sehr davon eingenommen zu sein, zu atmen oder die Augen offen zu halten, oder sie schreien sich den Schmerz aus dem Leib.
Aber immer hatte ich das Gefühl, dass sie eine riesige Lebensenergie ausstrahlen.
Die "Sitzungen" waren ganz unterschiedlich. Irene hat mit grösster Hingabe minutenlang auf den oder in Richtung Gong geschlagen, ich hatte den Eindruck, dass sie dafür sehr viel Kraft aufwenden musste (in "iong"). Bei Nicole spielte ich einen Ton auf der Melodica, den sie sofort übernahm und ihren "ongong" Gesang anstimmte (in "nonor"). Manchmal hab ich ihnen Musik vorgespielt. Als mit Corina nach einer Viertelstunde kaum etwas passierte, fing ich an rumzutanzen und mich zu verrenken. Corina holte Luft für ein langes Lachen (2. teil von "oihi").
Von den Aufnahmen bis zu den fertigen Tracks dauerte es über ein Jahr. Ich hatte fast 4 Stunden Aufnahmematerial. Das musste alles durchgehört werden. Daraus schnitt ich die Samples und einige längere Passagen. Das schafften meine Ohren nicht länger als 2-3 Stunden pro Tag, dannach hatte ich gerade mal ein paar Schnipsel. Es war extrem schwierig mich zu entscheiden, was ich verwenden kann/will/darf und was nicht. Es sind ja nicht Songs, bei welchen man sich schnell mal für den besten Take begeistern kann. Dannach kam der kreativere Teil, wo ich aus den gut 100 Teilchen "Songs" zu formen begann. Ich versuchte mich in die Kinder zu versetzen, wollte möglichst nahe an ihrem originalen Ausdruck bleiben, und es gleichzeitig für sogenannt "normale" Zuhörer zugänglich machen. Das ist extrem heikel, da fragt man sich schnell, darf man das?
Bald bekam ich eine Krise, war nicht mehr urteilsfähig, war nahe daran aufzugeben. Ich hatte zum Glück aber gute Reaktionen und Ermunterungen von Christoph, von den Eltern der Kinder und von Freunden, und sogar von den Kindern selbst. Das gab mir wieder Kraft um weiterzumachen. Wenn ich die 7 Collagen heute, wo ich mehr Distanz habe, anhöre, spüre ich wieder diese einehmende Lebensenergie, die Nicole, Irene, Corina, Sarvikan, Mohamed und Martina ausstrahlen, und bin froh, dass ich nicht abgebrochen habe."


Christoph Siegfried über das Projekt:

"Wie jedes Jahr hatten wir im Herbst 2005 Projekttage an der Heilpädagogischen Schule Seidenbaum in Trübbach (Schweiz). In der Regel werden in dieser Zeit Produkte kreiert, die am Weihnachtsmarkt verkauft werden.  Doch dieses Mal war es für die SchülerInnen der Basalen Förderstufe anders. Zusammen mit einem professionellen Musiker stand ihr akustisches Können im Zentrum.
Der phonische Ausdruck und ihre eigenaktiv über einfachste Instrumente produzierten Töne und Klänge wurden rhythmisch verdichtet,  die Stimmen repetitiv klanglich kombiniert und als subjektiv- sinnhafte Ausdruckform zu „Songs“ interpretiert.
Es war gleichzeitig Ziel und schwierigste Herausforderung des Projektes, die Authentizität der „Performances“ beizubehalten. Für die Audiobearbeitung möchte ich Andi Isler an dieser Stelle herzlich danken und ihm ein Kompliment für seine perzeptiven und (audio-)ästhetischen Fähigkeiten aussprechen.
Vielleicht kann mit unserem Projekt die phonetische, melodische und rhythmische Qualität dieser lautlichen Äusserungen einem grösseren Publikum zugänglich gemacht werden. Sicherlich ist es ein bleibendes Klang-Dokument. Nicht zuletzt für die Kinder/Jugendlichen selbst und ihr nahes soziales Umfeld.
Menschen mit schweren Beeinträchtigungen besitzen viele Kompetenzen. Unter anderem können sie Musik (er-) finden."


Finanziell unterstützt durch: Kiwanis Club Sarganserland, Pro Patria, Lions Club Bad Ragaz & Raiffeisenbank Oberes Sarganserland

© 2007 alle rechte geschützt



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